Körper richtig Entschlacken - Tipps, Methoden & Wissenswertes

Schlacken und Entschlacken? Hört sich im ersten Moment ganz logisch an, den Körper von diesen Altlasten unseres westlichen Lebensstils zu befreien, denn jeder von uns ist sich bewusst, was ungesunde Speisen, Alkohol, Stress, Umweltbelastungen und wenig Bewegung für unseren Körper bedeuten. Die Idee vom Entschlacken oder „Detox“ gibt es schon lange, doch was steckt dahinter und vor allem – macht das auch Sinn?

 

Was sind Schlacken überhaupt?

Der Begriff „Schlacke“ bezeichnet eigentlich unverbrannte Reste, die in Kohleöfen anfallen. Vergleicht man dieses Bild mit unserem Darm, der „entschlackt“ werden soll, dann wird deutlich, dass beide nicht allzu viel miteinander zu tun haben. [1,2] Denn unser Körper sorgt von ganz alleine dafür, dass Abfallprodukte ausgeschleust werden und nicht separat entfernt werden müssen. Manche Quellen sprechen von Schlacken als Nahrungsreste, die sich im Darm ablagern, andere Quellen von einer Übersäuerung unseres Organismus oder von Ablagerung von Schwermetallen in unseren Fettgeweben. Was bleibt ist die offene Frage, was Schlacken genau sein sollen und um welche Stoffe es sich dabei handelt – denn solange das nicht klar ist, kann man nur schwer von einem entschlackenden Effekt sprechen. [3]

 

Wie kann unser Körper entschlacken?

Ein weiteres Problem an all diesen Vermutungen und Aussagen: Unser Körper ist ein ausgeklügeltes System. [4] Egal ob Giftstoffe, Übersäuerung oder abgelagerte Reste – der Körper weiß sich selbst zu helfen. Da eine Übersäuerung physiologisch gesehen weitreichende Folgen mit sich bringen würde, sind wir dagegen gut geschützt und scheiden über die Nieren und damit den Harn alles aus, so dass das Säure-Basen-Gleichgewicht selbst wieder hergestellt werden kann. [5]

Giftstoffe oder Schwermetalle können bei bestimmten Dosierungen durchaus ins Fettgewebe eingelagert werden. Durch Entschlackungs- oder Detoxkuren konnten diese jedoch nicht nachweislich entfernt werden. [6,7]

Das sieht auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) so und stellt klar: „In einem gesunden menschlichen Körper gibt es keine Ansammlung von Schlacken und Ablagerung von Stoffwechselprodukten. Nicht verwertbare Stoffe werden über den Darm und die Nieren ausgeschieden“. [8]

Das Schöne an der Sache: Wir haben unsere eigene „Entgiftunszentrale“ im Körper! Leber und Niere sind bestens gewappnet um all das auszuscheiden, was nichts im Organismus verloren hat oder ihn stören könnte. [4]

 

Entschlacken durch Haus-, Lebens- oder Nahrungsergänzungsmittel?

Der Markt rund um Detox und Entschlackung boomt. Von Tees über Nahrungsmittelempfehlungen bis hin zu Nahrungsergänzungsmitteln oder sogar Lebensmitteln mit „Detox-Effekt“ hat der Markt alles zu bieten, was sich der Verbraucher wünscht. Kein Wunder, denn damit ist ein enormer Umsatz verbunden. Tatsache ist jedoch, dass all diese Tipps im besten Fall unwirksam sind. Denn nicht selten können sie unseren Organismus stören und durcheinanderbringen oder ihm sogar Schaden zufügen. Werbeversprechen mit entschlackender Wirkung sind eigentlich untersagt, [9,10] werden aber trotzdem weiter für die Bewerbung dieser Wundermittel verwendet.

 

Unser Fazit

Ein gesunder Lebensstil sorgt dafür, dass ein „Entschlacken“ gar nicht erst nötig wird. Und falls unbrauchbare Stoffe in deinem Körper angefallen sind, dann weiß sich dein Körper sehr gut selbst zu helfen. Deshalb – Finger weg von Produkten mit vermeintlich entschlackender Wirkung. Sie beruhigen im besten Fall höchstens das Gewissen und leeren den Geldbeutel, im schlimmsten Fall können sie schwerwiegende gesundheitliche Folgen mit sich bringen.

 

Quellen

[1] Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e. V. FAQ. URL: https://aerztegesellschaft-heilfasten.de/faqs/ Zugriff 12.03.21

[2] Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e. V. (2002) Leitlinien zur Fastentherapie. Forschende Komplementärmedizin Klassischer Naturheilkunde 9: 189–198

[3] Medizin Transparent. Detox: Der Mythos vom Entgiften. (2019). URL: www.medizin-transparent.at/detox-dermythos-vom-entgiften Zugriff 12.03.18

[4] Ernst E (2012) Alternative detox. Br Med Bull 101: 33–38

[5] Martin HH (2017) Säure-Basen-Haushalt: Besser basisch essen. UGBforum (2): 86. URL: www.ugb.de/ernaehrungs plan-praevention/saeure-basen-haushalt/ Zugriff 12.03.21

[6] Hodges RE, Minich DM (2015) Modulation of metabolic detoxification pathways using foods and food-derived components: a scientific review with clinical application. J Nutr Metab 2015: 760689

[7] Klein AV, Kiat H (2015) Detox diets for toxin elimination and weight management: a critical review of the evidence. J Hum Nutr Diet 28: 675–686

[8] Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Entgiftungsdiäten, Schlank im Schlaf-Diät, HCG-Diät – ein Überblick. DGEinfo (3/2018) 39-45

[9] Bundesgerichtshof. Beschluss vom 29.03.2017, Az.: I ZR 71/16

[10] Bundesgerichtshof, Beschluss vom 06.12.2017, Az.: I ZR 167/16: Unterlassung der Verwendung der Produktbezeichnungen "Detox" und "Detox mit Zitrone" für Kräuterteemischungen als irreführende und verbotene gesundheitsbezogene Angabe

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